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Jonas im Templer

Um es vorwegzunehmen: Wir besprechen in unserer Kategorie Gastro Tipps nur solche Locations, die uns auch wirklich gefallen haben. Kritik hört Ihr darum immer nur auf höchstem Niveau.

 

Schon seit einiger Zeit haben wir von unseren WineWalker:innen die Empfehlung bekommen, bei Jonas im Templer in Mainz vorbei zuschauen. Corona hat uns immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht und nach einer Stadtführung fehlte uns oftmals der Elan. Darum sind wir viel zu spät zum ersten Mal Ende August in der Holzstraße in Mainz eingekehrt.


Karte klein aber oho

Die Speisekarte ist handlich, klein und was die Gerichte betrifft: übersichtlich. Doch: sie ließ uns bereits beim ersten Drüberlesen das Wasser im Mund zusammen laufen!

 

Speisekarten, die uns nicht mit einer Fülle an Gerichten erschlagen, sammeln bei uns immer Pluspunkte. Entscheidungsaversen Typen, wie wir es zuweilen sind, kommt das immer entgegen und außerdem schwingt der Eindruck mit, dass sich da jemand auf das konzentriert, was er wirklich möchte, eben sehr gut Kochen. Die Erwartungen steigen dann allerdings auch immer bei uns. Und Jonas im Templer liefert...


Anstatt uns auf das wohlklingende Menü zu stürzen, haben wir uns mit mehreren kleineren Gerichten versorgt. Denn auch das ist im Templer möglich. Jedes Gericht kann auch als kleine Portion bestellt werden. Perfekt für diejenigen, die sich nach Herzenslust durch die Karte schlemmen wollen. Aber nun in medias res:

 

Als Amuse-Bouche hatten wir das Bäckerbrot mit Schalotten-Rotweinbutter (was sonst?).  Herrlich, lasst die Butter ruhig ein wenig warm werden. Wir starteten danach mit gegrilltem Pulpo an Beurre Blanc mit Minitomaten, Kichererbsen und Maissponge durch. Die Kombination hat uns glücklich hinterlassen, vor allem die Röstaromen des Pulpo hallten noch lange nach und harmonierten klasse zu unserer Weinauswahl: Riesling 2021 Blauschiefer vom Weingut Markus Molitor von der Mosel. Frische Mineralität auf der Zunge mit ganz leicht rauchiger Note #perfectmatch!


 Danach hat es uns der Seeteufel - in Pinienbutter konfiert - angetan. Das Fleisch vom Seeteufel noch wunderbar fest und geschmacklich top. Dazu ein Zitronenschaum - leicht und frisch, der mit dem 2021er trocken ausgebauten Gelben Muskateller vom Weingut Wohlgemut aus der Steiermark ein schönes Stelldichein gab. Wer uns auf unseren Stadtführungen durch Mainz folgt, weiß, dass wir Muskateller-Fans sind. Das Weingut Wohlgemut hat hier die Traube wunderbar aromenreich ausgebaut. Ein Gelber Muskateller, der einfach nur Spaß macht. Der ebenfalls dazu getrunkene Sauvignon Blanc konnte als Essensbegleiter da nicht mithalten. Zu dominant waren die grünen Noten von Stachelbeeren.


Zum krönenden Abschluss dann: Mit geschmorten Rindernacken (vom Waygu) gefüllte Pommes dauphine mit Misomayonnaise, Rettich und Gurke. Ein kleines Geschmacksfeuerwerk entstand mit der Misomayonnaise, die sich perfekt an Rettich und Gurke schmiegte und den Pommes dauphines das gewisse Etwas gab. Apropos. Etwas drohte der Geschmack vom Rindernacken durch die Pommes unterzugehen. Wir hatten es uns nicht nehmen lassen, dazu eine Flasche vom Pinot Noir Kranzberg (GG) vom Weingut Sankt Antony zu bestellen. Was für ein kleines Glück, das uns noch den restlichen Abend bis zum Aperitif begleitete.

Wein Flasche Stadtführung Mainz

Überraschung auf der Weinkarte

Es liegt in der Natur der Sache, dass sich unser erster Blick auf die Weinkarte richtet. Nicht nur um den passenden Aperitif auszuwählen. In unserem Fall übrigens ein Rosé Sekt von St. Antony. Doch was ist das? Die Weinkarte und selbst die Tischplatten (wer's nicht glaubt - überzeugt sich selbst) dominiert ein einziges Weingut: St. Antony aus Nierstein. Wir brauchen das Weingut hier sicherlich nicht vorzustellen. Als VDP-Weingut vom Roten Hang ist es vielen bekannt. Der deutliche Überhang von St. Antonys Weinen (14:2) auf der offenen Weinkarte hat uns allerdings doch etwas überrascht, erwarten wir doch in der Great Wine Capital Mainz eine etwas größere Wein-Auswahl, die sich auch auf die Weingüter bezieht.

 

Nichtsdestotrotz möchten wir Abbitte leisten. Einerseits bezogen sich die Weinempfehlungen des Menüs auch auf andere Weingüter. Andererseits finden wir andere Vertreter bei den Flaschenweinen. Und auch wir haben unser kleines Schätzchen gefunden. Den 2015er Pinot Noir, Kranzberg (GG) eben vom Weingut St. Antony. Ein schön kräftiger Spätburgunder im Barriquefass ausgebaut mit gut eingebundenen Tanninen und Aromen von roten Beeren sowie süßen und weniger süßen Kirschen. Langer Nachhall. Klasse. Der Preis von 32 € die Flasche nimmt sich dabei auch noch als echtes Schnäppchen aus. Schließlich ist der Pinot Noir frei verkäuflich nur schwer zu haben. Unsere volle Empfehlung hat er!


Service mit Know-How

Rundum gut möchten wir sagen. Zuvorkommend, zugewandt und für Überraschungen zu haben. Sieht man davon ab, dass der ein oder andere Wein hin und wieder erst kurz nach dem Servieren des Essens kam (was wiederum sofort vom Service bemerkt wurde), fühlten wir uns bei Jonas im Templer in Mainz extrem wohl. Angenehm unaufdringlich erhielten wir die ein oder andere Weinempfehlung. Und dass ein Servicemitarbeiter uns einen Digestif im Gegenzug gegen einen Schluck unseres Spätburgunder 2015 GG von Sankt Antony anbot, hatten wir so auch noch nie erlebt. Zu groß war seine Neugier auf diesen Wein und "too fair" fanden wir wiederum und nahmen neugierig das Angebot an. Sehr zu empfehlen der Rum (ja genau!), den man sich vom Service - genauso wie die Erzeuger (offenbar Schladerer in den meisten Fällen der "geistlichen" Getränke) - auch gleich erklären lassen sollte.


Fazit

Wer nach einem WineWalk mit uns in Mainz seinen Gaumen weiter auf gehobenen Niveau wunderbar verwöhnen lassen möchte, ist hier genau richtig. Das Beste: Es wird nie langweilig! Denn Jonas im Templer wechselt alle paar Wochen seine zwar überschauliche, aber sehr verheißungsvolle Speisekarte. Service und Weine sind top. Wenn wir bei den Offenen noch den ein oder anderen Namen anderer Weingüter lesen könnten, wären wir noch zufriedener. Jammern, Essen & Trinken auf höchstem Niveau eben...

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